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Eine Firma, gegründet, um eine Rechnung zu schreiben
Nach der Erinnerung der Gründer entstand e27 aus einem Auftrag für ein Orientierungssystem: Jemand musste eine Rechnung stellen.
- Zeitraum
- 1993
- Lesezeit
- 2 Min. Lesezeit
Manche Unternehmen beginnen mit einem Businessplan, andere mit einer Erfindung, für die ein Hersteller gebraucht wird. e27 begann nach dem Bericht der Gründer aus einem praktischeren Anlass.
Sie hatten während des Studiums an der Hochschule der Künste Berlin den Auftrag erhalten, ein Orientierungssystem zu entwerfen. Um ihn abzuschließen, musste mehr geschehen als eine gestalterische Lösung: Jemand musste eine Rechnung stellen. Also wurde eine Firma gegründet.
Dieser nüchterne Ursprung ist in einem Interview mit PAGE aus dem Jahr 2011 überliefert. Das Studio definierte sich anfangs nicht über eine sorgfältig gewählte Geschäftskategorie. Es entstand aus Arbeit, die die Gründer ohnehin leisteten. Nach demselben Bericht belegte das junge Unternehmen in der Anfangszeit einen Raum in der Hochschule. Es wuchs also dort, wo seine Gestalter studierten, und nicht in der Infrastruktur einer etablierten Agentur.
Ein passender erster Auftrag
Ein Orientierungssystem ist weder bloß ein Grafikprojekt noch rein ein architektonisches Objekt. Es existiert im Raum, hängt aber von Information, Zeichen, Typografie, menschlichem Verhalten und Bewegung ab. Sein Erfolg lässt sich nicht nur am Aussehen messen: Es soll Menschen helfen zu verstehen, wo sie sind und wohin sie müssen.
Diese Art Aufgabe nimmt viele spätere Aufträge vorweg. Eine Identität muss über verschiedene Formate verständlich bleiben, eine Website Information zugänglich machen, ein Produkt zeigen, wie es benutzt wird, eine Ausstellung Objekte und Ideen im Raum ordnen. Andere Medien, ähnliche Fragen.
Warum e27?
Der Name stammt von einem weiteren gewöhnlichen Gegenstand, einer Glühlampenfassung. E27 ist die bekannte Edison-Schraubbezeichnung für einen Lampensockel mit 27 Millimetern Nenndurchmesser. Die Gründer erklärten, ihnen sei die Bezeichnung in einer Osram-Anzeige begegnet.
Sie wollten einen Namen, der ihre Arbeit nicht auf Grafikdesign, Industriedesign, Architektur oder eine andere einzelne Disziplin festlegt. Betont haben sie ausdrücklich diese Flexibilität. Man kann den Namen als Metapher für einen Standard lesen, der Bauteile verbindet. Das Interview sollte aber nicht so weit gedehnt werden, dass den Gestaltern jede denkbare symbolische Absicht unterstellt wird.
Was nicht bekannt ist
Die öffentlich zugängliche Überlieferung enthält bislang keine vollständige Liste der frühesten Verträge. Die Originalzeichnungen des Orientierungssystems wurden in den untersuchten Quellen nicht gefunden. Auch die erste Rechnung ist nicht identifiziert.
Der Gründungsbericht ist eine Rückschau, veröffentlicht achtzehn Jahre nach dem Ereignis. Seine Einzelheiten gelten als Aussage der Gründer, solange keine erhaltenen Unterlagen von 1993 sie bestätigen.
Offene Fragen
- Wo sind die Zeichnungen des Orientierungssystems und die erste Rechnung?
- Wie verhält sich das Gründungsjahr 1993 zu der Angabe, ein Büro mit dem Namen E27 umweltgestaltung sei 1996 gegründet worden? Siehe dazu den Beitrag zu e27 Umweltgestaltung.

