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Bevor es e27 gab: Berlin und eine Generation, die anders denken lernte
Wie das Berlin der frühen 1990er Jahre und die Ausbildung an der Hochschule der Künste den Boden für e27 bereiteten.
- Zeitraum
- 1975–1993
- Lesezeit
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Berlin war Anfang der 1990er Jahre eine Stadt im Übergang. Die politische Grenze, die sie fast drei Jahrzehnte geteilt hatte, verschwand, doch ihre baulichen und institutionellen Folgen waren überall sichtbar. Straßen mussten wieder verbunden werden. Gebäude wurden neu zugewiesen, saniert oder abgerissen. Neue Unternehmen entstanden in Räumen, deren frühere Nutzung plötzlich hinfällig war.
Für junge Gestalterinnen und Gestalter hieß das: Die Umgebung stand nicht fest. Gestaltung musste nicht mehr zwingend darin bestehen, einen schönen Gegenstand für einen etablierten Hersteller zu entwerfen. Was wird aus einem Gebäude, dessen Zweck verschwindet? Wie kommunizieren Institutionen, deren Identität sich ändert? Wie verändern neue Technologien das Verhältnis von Gegenstand, Nutzer und Umgebung?
In diesen historischen Moment fällt die Entstehung von e27.
Die Hochschule der Künste
Gegründet wurde e27 1993 von Gestaltern, die an der Hochschule der Künste Berlin (HdK) ausgebildet worden waren, der heutigen Universität der Künste Berlin. Die HdK war 1975 durch die Neuordnung der Berliner künstlerischen Hochschulen entstanden.
Eine wichtige Figur im Bereich Industriedesign war Hans (Nick) Roericht. Seine Lehre betonte Gebrauch, Funktion, Wahrnehmung und Methodik. Gestaltung konnte mit der Untersuchung eines gewöhnlichen Gegenstands, eines vorhandenen Mechanismus oder einer scheinbar unbedeutenden praktischen Schwierigkeit beginnen. Das Ergebnis konnte ein Möbel sein, ein Industriegerät, ein Zeichensystem oder etwas, das in keine übliche Produktkategorie passte.
Was die Gründer erinnern
Ein Interview, das Marion Godau im Oktober 2003 mit Tim Brauns führte, belegt diese Ausbildungskultur unmittelbar. Brauns erinnerte sich an kurze, intensive Projekte, in denen Ideen schnell entwickelt und präsentiert werden mussten. Statt ein Semester lang ein einziges Konsumprodukt zu bearbeiten, standen die Studierenden immer wieder vor unbekannten Aufgaben.
Er unterschied zudem zwischen Ausbildung und Berufspraxis. Die Hochschule vermittle Methoden des Fragens und Experimentierens. Der Beruf verlange darüber hinaus, Angebote zu schreiben, Aufträge zu führen und Ideen in wirtschaftlich tragfähige Ergebnisse zu übersetzen. Genau dort, wo beide Welten aufeinandertrafen, begann e27.
Fax Quintus beschrieb im Interview vom selben Tag konzentrierte Projekte, externe Fachleute und intensive Präsentationen als prägend. Gestaltung bedeutete für ihn nicht nur, Objekte herzustellen, sondern Informationen zu ordnen, fremde Felder zu verstehen und Vorschläge überzeugend vorzutragen. Diese Fähigkeiten wandte er später auf Multimedia, virtuelle Umgebungen und kommerzielle Gestaltungssysteme an.
Industriedesign und digitale Technik
Zu e27s frühem Profil gehörte die Verbindung von Industriedesign und digitaler Technik. Computergrafik, interaktive Medien und das öffentliche Internet schufen neue Berufsfelder. Wer gelernt hatte, über physische Objekte nachzudenken, gestaltete nun Systeme, die vor allem auf dem Bildschirm existierten. Die Fragen blieben dieselben: Wie funktioniert etwas? Wie versteht es ein Mensch? Wie wird Information geordnet?
e27 begann also nicht mit einem ungewöhnlich breiten Leistungsangebot, sondern mit einer Haltung, die die Grenzen zwischen diesen Angeboten nicht ohne Weiteres akzeptierte.
Einordnung
Die Interviews dokumentieren, wie sich die Gestalter an ihre Ausbildung und ihre frühe Arbeit erinnerten. Die Beschreibung der Berliner Umbrüche ist historischer Kontext. Sie behauptet nicht, dass einzelne städtebauliche Entwicklungen ein bestimmtes e27-Projekt unmittelbar beeinflusst hätten.

